Salutogenese – 3 Schlüssel für mehr Gesundheit, Resilienz & Innere Stärke

Salutogenese in der Physiotherapie der Neuen Zeit.

Warum die Frage „Was stärkt meine Gesundheit?“ so kraftvoll ist.

Energie folgt der Aufmerksamkeit. Oder noch präziser formuliert: Aufmerksamkeit IST Energie.

Allein dieser Satz verändert schon viel. Denn er lenkt den Blick auf eine Frage, die im medizinischen Alltag oft zu wenig Raum bekommt:

Worauf richten wir unsere Aufmerksamkeit gemeinsam mit unseren PatientInnen?
Auf die Pathologie? Auf das, was nicht funktioniert? Auf die Diagnose, das Defizit, den Schmerz?
Oder auf das, was uns gesund erhält, stärkt und wieder in die Balance und Kraft bringt?

Mein Votum ist klar:
Ich möchte den Fokus auf das lenken, was unsere Gesundheit stärkt.

Das bedeutet natürlich nicht, dass wir pathologische Prozesse oder Diagnosen ignorieren. Im Gegenteil: sogenannte „Red Flags“ – also ernstzunehmende Symptome – und medizinisch notwendige Abklärungen gehören selbstverständlich in eine verantwortungsvolle therapeutische Arbeit. Doch innerhalb dieses Rahmens dürfen wir uns eine entscheidende Frage stellen:

Was macht gesund?

Genau damit beschäftigt sich die Salutogenese.
Sie fragt nicht in erster Linie: Was macht krank?
Sondern: Was erhält Gesundheit? 

Gesundheit wird im Salutogenese-Modell des Soziologen Aaron Antonovsky nicht als starres Gegenteil von Krankheit verstanden, sondern als Gesundheits-Krankheits-Kontinuum. Wir alle bewegen uns – je nach Lebensphase, Stressbelastung und Ressourcen – auf diesem Kontinuum. Unser System ist ständig Stressoren (positiven oder negativen Reizen) ausgesetzt. Wir haben Resilienz, d.h. Widerstandsfähigkeit und die Fähigkeit, Stress zu verarbeiten entwickelt.

Zentral sind dabei drei Kohärenzfaktoren Verständnis, Sinn und Machbarkeit. Kohärenz bedeutet „Stimmigkeit“. Unser Gehirn versucht im Grunde immer einen Zustand des Kohärenzgefühls herzustellen.

Und genau deshalb ist Salutogenese für mich ein so wesentlicher Bestandteil der Physiotherapie der Neuen Zeit.

Salutogenese versus Pathologie: Wenn der Fokus eng wird – ein persönlicher Erfahrungsbericht aus meinem eigenen Leben…

Ich kenne diesen Prozess nicht nur aus meiner Arbeit mit PatientInnen, sondern auch aus eigener Erfahrung.

Mein eigenes Leben hat mir gerade erst einen ordentlichen Lernprozess in Demut und Hingabe geschenkt: Ich hatte selbst ein schmerzhaftes Knieproblem, das sich fast sechs Monate gezogen hat. Und ich konnte mich in dieser Zeit sehr genau dabei beobachten, wie mein Fokus anfangs immer wieder auf dem lag, was nicht mehr geht: dass ich nicht mehr schmerzfrei laufen konnte wie sonst, nicht mehr in die Berge gehen, beim Yoga nicht entspannt im Meditationssitz zu sitzen und einige Asanas nicht mehr ausführen zu können. Das hat mich ganz schön „gewurmt“.

Dieser Fokus macht eng.
Er erzeugt Frust.
Er zieht Aufmerksamkeit, Energie und Lebensfreude genau dorthin, wo gerade Mangel erlebt wird.

Irgendwann kam der Wendepunkt. Nicht, weil das Problem plötzlich verschwunden war, sondern weil ich begann, bewusst auch das zu sehen, was noch da war und was weiterhin möglich war:

Ich konnte meinen restlichen Körper bewegen.
Ich habe trainierte Schultern, was bedeutet, dass ich gut mit Krücken gehen konnte.
Ich konnte also weiterhin zumindest im Park spazieren und meine Einkäufe erledigen.
Ich konnte auf dem Fahrradergometer sitzen.
Ich konnte auf einem Stuhl oder auf zwei Meditationskissen sitzen.
Ich konnte mir Unterstützung holen.

Und genau da beginnt Salutogenese ganz praktisch.

Nicht in einem theoretischen Konzept.
Sondern in dem Moment, in dem sich der Blick weitet und die Frage auftaucht:

Was geht noch? Was ist in dieser Situation möglich?
Was stärkt mich?
Wer oder was könnte mir jetzt helfen?

Was Salutogenese wirklich bedeutet

Im Gegensatz zur Pathologie richtet die Salutogenese den Blick nicht auf das, was krank macht, sondern auf das, was die Gesundheit erhält und stärkt.

Für mich bedeutet das in der Praxis:

  • den Blick nicht nur auf Symptome zu lenken – sondern vor allem auch auf Ressourcen,
  • nicht nur auf Defizite – sondern auch auf Kraftquellen,
  • nicht nur auf das Problem – sondern auf die Bedingungen, unter denen Heilung leichter bzw. möglich werden kann.

Denn wenn Aufmerksamkeit Energie ist, dann macht es einen Unterschied, ob ich mich gedanklich ausschließlich mit Schmerz, Einschränkung und Angst beschäftige – oder ob ich beginne, parallel dazu auch das zu erforschen, was mein System stabilisiert.

Salutogenese ist nicht naiv.
Sie blendet Schwierigkeiten nicht aus.
Sie ist auch kein toxisches „Denk einfach positiv“.

Sie ist vielmehr ein ressourcenorientierter, realistischer und menschlicher Blick auf Gesundheit.

Ein Blick, der fragt:

  • Was unterstützt meinen Körper?
  • Was hilft meinem Nervensystem, sich zu beruhigen?
  • Was stärkt mein Vertrauen? Welche Beziehungen in meinem Leben sind nährend?
  • Was gibt mir Sinn?
  • Was ist jetzt konkret machbar?

Die drei Schlüssel der Salutogenese

Ein besonders hilfreicher Teil des Salutogenese-Modells sind für mich die drei Faktoren, die Kohärenz – also innere Stimmigkeit – fördern: Verständnis, Sinn und Machbarkeit.

Keiner dieser drei Bereiche ist grundsätzlich wichtiger als der andere. Vielmehr geht es oft um die Reihenfolge.

1. Verständnis – Was passiert hier gerade mit mir?

Gerade in Krisenzeiten ist Verständnis oft der erste stabilisierende Schritt.

Wenn Menschen Schmerzen haben, emotional überlastet sind oder sich in einer schwierigen Lebenssituation befinden, ist ihr Nervensystem häufig im Alarmmodus. Die Gedanken kreisen. Der Körper ist angespannt – vielleicht gar nicht gut spürbar. Es entsteht ein Tunnelblick.

In solchen Momenten kann es unglaublich entlastend sein, zu verstehen, was gerade im eigenen System passiert.

Verständnis beruhigt.
Verständnis nimmt Angst.
Verständnis schafft Boden.

Ein gewisses Verständnis für die Situation muss nicht die ultimative Wahrheit oder komplex sein. Es muss für den Menschen in dem Moment schlüssig sein.

Hier besteht natürlich auch ein Gefahrenpotenzial, sich im „flachen Denken“ zu verlieren und einem gewissen Populismus oder einfachen Theorien zu viel Glauben zu schenken.

2. Machbarkeit – Was ist jetzt konkret möglich?

Vor allem in akuten Situationen braucht es dann den nächsten kleinen Schritt: Machbarkeit.

  • Was kann ich jetzt konkret tun?
  • Was ist ein nächster kleiner – vielleicht auch nur „Mini“- Schritt?
    Diese Mini-Schritte sind oft das, was Hoffnung zurückbringt.
  • Ich habe ein Ziel. Ich habe Ressourcen. Ich sehe den Weg.

Genau hier ergänze ich meine physiotherapeutische Arbeit mit meinem Know How als professionelle Lebensberaterin & Life Trust Coach.

Jede große Vision braucht auch eine konkrete Machbarkeit im Hier und Jetzt.

3. Sinn – Wofür könnte diese Erfahrung gut sein?

Der Sinn zeigt sich häufig erst retrospektiv. Wir suchen nach sinnvollen Antworten auf die Frage, warum etwas passiert.

Nicht mitten im größten Schmerz.
Sondern dann, wenn wieder etwas Ruhe eingekehrt ist.

Und genau dann öffnen sich Fragen wie:

  • Was möchte mir diese Situation zeigen? Was ist das Geschenk?
  • Welche Werte sind mir wichtig?
  • Was darf ich verändern / loslassen?
Die 3 Schlüssel in der Salutogenese

Der Salutogenese Prozess – ein möglicher innerer Weg

Heilung lässt sich auch als einen inneren Prozess beschreiben, den viele Menschen in herausfordernden Zeiten durchlaufen.

Nicht immer linear.
Nicht immer in dieser Reihenfolge.
Aber oft in ähnlichen Schritten:

1. Ankommen & Annehmen

Die Situation wirklich akzeptieren – so, wie sie gerade ist – und nicht mehr dagegen kämpfen.

2. Nichtwissen & Hilflosigkeit zulassen

Sich einzugestehen: Ich weiß gerade nicht weiter.
Und: Ich muss das nicht alleine schaffen.

3. Um Hilfe bitten, sie annehmen & sich öffnen

Wer oder was kann mich jetzt unterstützen?
(Professionelle Hilfe, Freunde, Gebet,…)

4. Verständnis entwickeln

Was hat mich hierher gebracht?
Was habe ich dazu beigetragen?

5. Sinn erkennen

Was könnte ich aus dieser Situation lernen?
Kann ich für mich einen tieferen Sinn erkennen?

6. Machbarkeit & nächste Schritte

Was kann mir jetzt konkret helfen?
Wie könnte eine Strategie aussehen?
Was ist mein nächster, kleiner Schritt, den ich zur Besserung beitragen kann?

7. Integration & Dankbarkeit

Was fühlt sich bereits besser an?
Was hat sich verändert?

Salutogenese in der Physiotherapie

Für mich ist Salutogenese eine große Einladung an die Physiotherapie.

Nicht nur zu fragen:
Wo tut es weh?

Sondern auch:
Was tut gut?

Denn oft passiert Folgendes:

Viele Beschwerden verbessern sich bereits – von 5 Symptomen ist nur noch eines da…
doch der Fokus bleibt auf dem, was noch immer nicht funktioniert.

Und genau hier kann sich der Blick weiten.

Eine kleine Übung in Salutogenese

Zum Abschluss möchte ich dir ein paar wertvolle Fragen schenken. Meine Einladung an dich ist, sie einfach mal auf die wirken zu lassen, dir vielleicht eine rauszupicken und sie einen Tag lang in deinem Geist zu bewegen oder sogar schriftlich zu beantworten…

  • Was stärkt meine Gesundheit?
  • Was schenkt mir Energie?
  • Was sind meine Kraftquellen?
  • Was schwächt mich?
  • Was raubt mir Energie?
  • Wo darf ich loslassen?
  • Wer oder was kann mich unterstützen?
  • Was tut mir jetzt gerade gut?
  • Was ist mein nächster, kleiner Schritt im Richtung meines Ziels?
  • Was hat mir früher schon einmal geholfen?
Salutogenese Journaling

👉 Ein einfacher, aber kraftvoller Impuls:

Schreib dir zwei Listen:

  • Was stärkt mich? Was schenkt mir Kraft und Lebensfreude?
  • Was schwächt mich? Was zieht mir Energie?

Und: Wo bist du bereit, endlich loszulassen?

Oft entsteht allein durch diese Klarheit bereits Veränderung.

Die vielleicht wichtigste Frage: Was stärkt meine Gesundheit?

Nicht nur körperlich.
Sondern auch emotional, mental und seelisch.

Denn genau diese Frage verändert den Fokus.
Und mit dem Fokus beginnt die Veränderung.

Schritt für Schritt. ✨

Hier geht’s zu meinen Angeboten:
Ganzheitliche Physiotherapie in Wien
bzw.
Female Flow Physio-Yoga.

Ich freue mich schon sehr darauf, dich persönlich kennen zu lernen. 😃

Salutogenese in der Physiotherapie der neuen Zeit

Inspiration für den Artikel aus: Life Trust® Coaching Ausbildung bei Veit Lindau